Newsletter 31

15. April 2016

Einladung zur Stolpersteinverlegung in der Dortmunder Straße

Am 21. April 2016 werden von Gunter Demnig vor dem Haus Dortmunder Straße 3 die ersten sieben Stolpersteine für die Angehörigen von Prof. Benjamin Gidron gelegt.
Sein Großvater Sally Gottfeld war schon im Mai 1933 von der SA inhaftiert und fast fünf Wochen im Folterkeller Papestraße in Berlin gequält worden. Daraufhin bemühte er sich um die Einreiseerlaubnis nach Palästina. Im Dezember desselben Jahres gelang ihm mit seiner Frau Emma und seinen fünf Kindern die Flucht. Ihrer wird mit den Steinen in der Dortmunder Straße gedacht – bei der Zeremonie aber auch der anderen Mitglieder der Moabiter Familie Gottfeld/Lewin, von denen die meisten deportiert und ermordet wurden. Für sie werden in der nächsten Zeit ebenfalls Stolpersteine verlegt werden. An der Verlegung am 21. April werden über zwanzig Nachkommen der Emigrierten und auch die damals fünfjährige jüngste Tochter von Emma und Sally Gottfeld, die in Israel lebt, teilnehmen.
Zur Stolpersteinverlegung am 21. April um 9.00 Uhr sind Sie herzlich eingeladen.
An die Zeremonie in der Dortmunder Straße schließt sich gegen 10.30 Uhr die Vorführung eines Films in der Zunftwirtschaft, Arminiusstraße 2 an. Der Sohn von Prof. Gidron, der Filmemacher ist, hat die Reise seiner Eltern mit ihren vier erwachsenen Kindern zu den Wurzeln der Familie in Frankfurt am Main und Berlin im Juli 2013 eindrucksvoll dokumentiert.
Sie sind herzlich willkommen, an der Aufführung der deutsch untertitelten Fassung, die knapp eine Stunde dauert, teilzunehmen.

Gedenkschild am Ort der Deportationen zerstört

In der Nacht zum 16. März wurde unser fünf Meter breites Schild in der Moabiter Ellen-Epstein-Straße zerstört, das an die Juden-Deportationen erinnerte. Das Schild mit der Aufschrift „VON HIER FUHREN ZÜGE INS GAS“ stand exakt an der Stelle, von der aus der Großteil der Berliner Juden in die KZs deportiert wurden.
Aufgestellt hatten wir es im vergangenen Mai, um für ein Mahnmal an gleicher Stelle zu werben. Dieses Mahnmal ist in der Zwischenzeit vom Senat beschlossen worden. Es ist geplant, dass es noch in diesem Jahr errichtet wird.
In den vergangenen Monaten ist das Schild mehrmals von Neonazis oder anderen Antisemiten mit Farbe besprüht oder mit Parolen beschmiert worden, was jedoch von uns regelmäßig kurzfristig entfernt wurde.
Eigentlich sollte das Schild nur wenige Wochen stehen. Da es jedoch sehr viele Menschen erreichte, die mit dem Zug oder dem Auto daran vorbei fuhren, ließen wir es länger am Zaun hängen. Aufgrund des schlechten Materials verformte es sich mit der Zeit, deshalb wollten wir das Schild jetzt wieder abbauen. Nachdem aber erneut Parolen draufgeschmiert wurden, hatten wir den Termin um zwei Wochen verschoben.
Aufgrund der Zerstörung wurde bei der Polizei eine Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Diese hat allerdings seitdem nicht reagiert.
Derzeit diskutieren wir, ob wir ein neues Schild an dieser Stelle aufbauen.

Gedenkort ist auf dem Weg

Derzeit läuft die Ausschreibung für die Gestaltung des geplanten Gedenkortes an der Ellen-Epstein-Straße, der an den Deportationsbahnhof erinnern soll. Wir konnten als Beobachter an den beiden ersten Treffen zur Vorbereitung teilnehmen, sind jedoch nicht an der Jury beteiligt.
Vermutlich wird im Sommer die Entscheidung getroffen, welcher Vorschlag umgesetzt werden soll. Die Errichtung des Gedenkortes ist dann wahrscheinlich im kommenden Winter oder Frühjahr zu erwarten.

Stolperstein für Widerständler

Anfang Februar wurde vor dem Haus Birkenstraße 8 ein Stolperstein für Raimung Faller verlegt. Der 68-jährige Kranwagenführer war bereits mehrfach zu Gefängnisstrafen  verurteilt worden. Im August 1943 wurde er erneut verhaftet und vom Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Er wurde am 27. März 1944 in Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Das damalige Wohnhaus Birkenstr. 8/9 existiert heute nicht mehr.