Newsletter 21

25. Oktober 2013

Eine Woche nach Beginn unserer Kampagne „Ihr letzter Weg“ ist es Zeit für ein erstes Resumee. In den Tagen vor der Eröffnungsveranstaltung sind die Mitglieder der Gruppe im Kiez ausgeschwärmt, um Plakate aufzuhängen und Flyer zu verteilen. Wir hatten Moabit in acht Bereiche aufgeteilt und dann hieß es Klinken putzen. Viele Geschäfte, Restaurants, Praxen usw. haben die Plakate ins Fenster geklebt oder innerhalb ihrer Räume aufgehängt. Vorher wurden auch rund 500 E-Mails an Gewerbetreibende und alle möglichen Gruppen geschickt, die sich teilweise ebenfalls gemeldet und Plakate und Flyer bestellt haben.

Eröffnungsveranstaltung
Am 18. Oktober fand dann in der Heilandskirche die große Eröffnungsveranstaltung statt. Nach der Begrüßung durch die Pfarrerin und einer unserer Mitglieder spielten KlezMärchen. Es folgten eine Theateraufführung und mehrere kurze Lesungen, die jedoch von einigen Besuchern als zu langatmig empfunden wurden. Zum Schluss gab es die Vernissage der Ausstellung, während KlezMärchen wieder für gute Stimmung sorgte.

Markierungsaktion
Gleich am folgenden Tag trat die Performance-Künstlerin Antonia Bisig am Mahnmal in der Levetzowstraße auf, aufmerksam beobachtet von einer großen Gruppe Kinder, Flüchtlinge aus dem danebenliegenden Asylheim.
Dann begann die Straßenmarkierung: Von der Levetzowstraße bis zur Heilandskirche haben wir den Gehweg mit gelber Kreidefarbe gekennzeichnet. Davidsterne sowie der Schriftzug „Ihr letzter Weg“ wurden durch Schablonen auf dem Boden angebracht. Gleich am Tag danach sollte die Strecke von der Kirche über Turm- und Lübecker Straße besprüht werden, diesmal aber kamen wir anfangs nicht weit: Irgendein Aktivbürger war offenbar mit der Aktion nicht einverstanden und rief die Polizei. Keine zehn Minuten nachdem wir begonnen haben, kamen von allen Seiten fünf Polizeiwagen mit Blaulicht und Martinshorn, ein Mannschaftswagen sowie ein Zivilwagen. Sie umstellten uns und haben wohl gehofft, eine gefährliche Sprayer-Crew erwischt zu haben. Stattdessen standen sie einer Gruppe von Leuten gegenüber, die teilweise schon im Rentenalter sind und außerdem wenig konspirativ mit gelben Warnwesten bekleidet. Letztendlich wurde einige Personalien aufgenommen und wir durften weitermachen.
Allerdings wusste die Polizei, dass das letzte Stück der Strecke am heutigen Freitag besprüht werden sollte. Einen Tag vorher rief deshalb der „Sicherheitsbeauftragte der Polizei“ zweimal bei einem Mitglied unserer Initiative an, um uns zu raten, einen Genehmigungsantrag zu stellen. Da dies aber rund eine Woche dauern könnte, haben wir das nicht gemacht.
Heute früh also traf sich am Stephanplatz die 9. Klasse der nahen Hedwig-Dohm-Oberschule. Zusammen mit einer Lehrerin und ebenfalls wieder mit Warnwesten gut gekennzeichnet sprühten sie die Losung von der Havelberger und Quitzowstraße bis hin zum ehemaligen Deportationsbahnhof. Wie auch wir vorher schon wurden parallel dazu größere Aufkleber an Laternenmasten befestigt, „Auschwitz 552 km“.

Theater und Lesungen
Morgen am Samstag wird das Theater Daktylus um 18 Uhr in der Erlöserkirche nahe der Gotzkowskybrücke ihr Stück „Verraten und getauft. Berliner Christen als Juden verfolgt“ aufgeführt. Wie bei allen unserer Veranstaltungen ist der Eintritt frei.
In der kommenden Woche beginnen dann die Lesungen sowie am Mittwoch eine vierstündige Veranstaltung direkt vor der Heilandskirche.
Das ganze Programm finden Sie hier:
www.ihr-letzter-weg.de/304