Newsletter 13

7. November 2012

Bezirksamt Mitte zerstört Ausstellung zum Gedenken an die Deportationen aus Moabit

Heute Vormittag wurde vom Bezirksamt Mitte eine Ausstellung aus dem Schaukasten vor dem Rathaus abgeräumt, die über die Deportationen Moabiter Juden während der Nazizeit informierte. Sie war am 1. November von der Initiative „Sie waren Nachbarn“ eingerichtet worden und bestand aus einer symbolischen Installation und den Listen mit den Daten der über 1.800 Deportierten.

Als Begründung der nicht angekündigten Zerstörung nannte eine Bezirksamtsmitarbeiterin am Telefon, dass ein Stadtrat den Schaukasten benötige und für die Ausstellung der Initiative keine Genehmigung vorgelegen habe, was nicht zutrifft. Bereits im Herbst 2011 – also vor mehr als einem Jahr – wurde diese mündlich erteilt und zwar für den 1. bis 30. November 2011. Eine schriftliche Bestätigung, die damals erbeten worden war, wurde als unüblich und überflüssig abgelehnt.

Die Initiative, die seit mehr als einem Jahr – nach ebensolanger vorhergehender Recherchearbeit – das Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger im Stadtteil wachzuhalten versucht, wollte gerade über den Tag der Reichspogromnacht am 9. November  hinaus mit ihrer Installation erneut darauf aufmerksam machen, dass aus der ehemaligen Synagoge an der Levetzowstraße, die von den Nazis als Sammellager missbraucht wurde, die meisten Deportationen aus Berlin vor den Augen der Bevölkerung begannen. Dies wurde nun von Amts wegen und ohne auch nur die Beteiligten vorher zu informieren, unterbunden.

Wir fordern die sofortige Wiederherstellung unserer Ausstellung sowie eine offizielle Stellungnahme des Bezirksamts zu dem skandalösen Vorfall!