Newsletter 9

29. Dezember 2011

Gestern nun wurde die Installation am einstigen Hertie-Haus abgebaut, wie geplant zwei Monate nach der Eröffnung. Bei einer Kontrolle am Vortag und auch gestern beim Eintreffen vor Ort standen wieder Passanten am Schaufenster, um in der Liste der Deportierten zu lesen. Deshalb haben wir uns kurzfristig entschlossen, die Liste weiterhin hängen zu lassen, auch wenn sie nicht mehr ganz aktuell ist. Seit Oktober sind nämlich rund 50 Änderungen vorgenommen worden. Bei manchen waren es nur Zahlendreher oder Tippfehler, bei anderen aber gab es Korrekturen bei den Daten, also Adresse, Geburts- oder Deportationsdatum u.ä. Außerdem sind einige Namen dazu gekommen. Die aktuelle Opferliste kann aber hier auf der Website heruntergeladen werden.

Anfang des kommenden Jahres sollen nun die aktuellen Listen auch an anderen Stellen aufgehängt werden. Dazu hier ein Aufruf: Wer in einem Haus mit einem leer stehenden Geschäft lebt, möge doch seinen Hausbesitzer/-verwalter fragen, ob wir die Liste für einen Monat dort aufhängen dürfen!
Eine erste Zusage haben wir bereits für ein Schaufenster in der Birkenstraße. Und auch den Schaukasten am Rathaus bekommen wir für einen Monat, allerdings erst im Herbst.

Bis heute erreichen uns immer wieder E-Mails mit konkreten Nachfragen zu einzelnen Menschen oder Familien, die damals vermutlich deportiert wurden. Oder man möchte wissen, ob über den Verbleib etwas bekannt ist. Das Thema ist für viele also noch immer aktuell.
Die bisherige „Kampagnenmannschaft“ ist in der Konstellation nicht mehr aktiv. Deshalb stellt sich nun die Frage danach, wie es weiter geht, ob und wie das Thema Deportationen aus Moabit künftig künftig verfolgt wird.
Mein Vorschlag ist: Wenn es Personen gibt, die Interesse an einer praktischen Weiterführung der Kampagne haben, sollten sie sich bei mir melden. Wir würden uns dann in einigen Wochen zusammensetzen und das besprechen. Wichtig ist dabei die Bereitschaft, auch praktisch aktiv zu werden.
Es geht nicht gleich um die Gründung einer festen Gruppe oder eines Vereins, sondern um einen Kreis von Leuten, die die Notwendigkeit zur antifaschistischen Aufklärung sehen. Ob es beim Thema Erinnerung an die Deportationen bleibt oder inhaltlich breiter gefasst wird, ist völlig offen und davon abhängig, was die Teilnehmer eines solchen Treffens vorschlagen.
Wenn SIE Interesse haben, melden Sie sich bitte.