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Vorstellung der Kampagne „Sie waren Nachbarn“

Anlässlich des 70. Jahrestags des Beginns der Juden-Deportationen im Oktober 1941 gibt es eine Kampagne unter dem Namen „Sie waren Nachbarn“. Damit soll an diesen Teil unserer Geschichte erinnert werden, denn den Sommer über ist ja eher der Mauerbau das große Thema. Wir wollen auch daran erinnern, dass es sich bei den jüdischen Opfern nicht um irgendwelche Aliens gehandelt hat, sondern um einen Teil der Gesellschaft, daher auch der Name der Kampagne.

Um die Ungeheuerlichkeit des Holocausts begreifbar zu machen, soll er sozusagen auf eine niedrigere Ebene heruntergebrochen werden: Auf die Familien, Wohnhäuser und Straßen.
Die Kampagne beschränkt sich auf Moabit, wo es rund 1.800 Deportationen gab. Durch die Nähe zur Nachbarschaft wollen wir einen Bezug zu den Opfern herstellen.
Dazu werden Plakate geklebt: Die obere Hälfte beinhaltet ein fiktives Beispiel aus dem Leben eines deportierten Menschen, z.B. das Faksimile eines Zettels:
„Mama, ich gehe nach der Schule noch zu Hans. Sophie.“
oder
„Die Arztpraxis öffnet heute erst um 15 Uhr. Bitte haben Sie Verständnis. Dr. Berger“.
Im unteren Teil, immer gleich gestaltet, soll es dann Informationen zu dieser Person oder Familie geben, wie „Dr. Paul Berger. Deportiert am … nach Auschwitz.“ So soll der Bezug zum Alltag im Kiez dargestellt werden.
Parallel dazu gibt es auf der Website www.sie-waren-nachbarn.de Informationen zum Thema Deportationen aus Moabit. Dort sind auch bereits die Daten der aus Moabit deportierten Juden abrufbar.

Nun zum Grund dieses Schreibens: Damit die rund dreimonatige Kampagne erfolgreich ist, sollten sich verschiedene Kiez-Initiativen, Gewerbebetriebe und andere lokale Einrichtungen als Partner beteiligen. Partnerschaft bedeutet, im eigenen Umkreis selbst für die Verbreitung der Materialien zu sorgen, eigene Informationen beizusteuern, wenn möglich auch einen Teil der Produktionskosten zu übernehmen.

Nach Abschluss der Kampagne kann überlegt werden, die Einrichtung eines Mahnmals am einstigen Deportationsort, dem Güterbahnhof Moabit in der Quitzowstraße, voranzutreiben. Dort sollte schon einmal eine Gedenkstätte entstehen, tatsächlich gibt es aber nur einen wilden Müllabladeplatz.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie das Projekt unterstützen könnten.
Bitte melden Sie sich, wenn Sie Interesse an einer Partnerschaft haben und/oder eigene Ideen zur Kampagne beisteuern möchten.